Kapitel 16: Benutzerunterstützung
Aufgabe 16.3: Fehlermanagement
Wenn man unter Windows 98 eine Word-Datei zur Bearbeitung geöffnet hatte und dann während der Arbeit an dieser Datei einen der Ordner im Pfad dieser Datei umbenannte, erschien beim nächsten Klick auf „Speichern“ die folgende Fehlermeldung:

Beurteilen Sie die Meldung.
- Wie würden Sie die Meldung formulieren?
- Welche Möglichkeiten gibt es zur Fehlervermeidung?
- Welche Lösung wendet Windows 10 hierfür an?
- Wie beurteilen Sie diese Lösung?
Lösung
Die Meldung erfüllt nicht die Selbstbeschreibungsfähigkeit. Sie ist in mehrfacher Hinsicht unverständlich:
- Bei „Dies ist kein gültiger Dateiname“ ist der Bezug unklar. Der Benutzer hat ja gar keinen Dateinamen eingegeben, sondern nur auf „Speichern“ gedrückt.
- Die Bedeutung von „kein gültiger Dateiname“ ist unklar. Erste Vermutung ist ein lexikalischer oder syntaktischer Fehler, weil Dateinamen bestimmte Zeichnen nicht enthalten dürfen und ein bestimmtes Format haben müssen. Da aber der einzige Dateiname, um den es hier gehen kann, der in Klammern angezeigte Name ist, kann das nicht zutreffen. KLAUSUR.DOC ist ohne Zweifel ein zulässiger Dateiname.
- Tatsächlich findet das System die Datei nicht mehr im bisherigen Dateipfad, weil dieser aufgrund der Umbenennung nicht mehr existiert. Insofern ist der Ansatz „Überprüfen Sie die Pfadangabe“ durchaus richtig, aber für den Benutzer nicht durchführbar. Er kennt er den Pfad nicht, unter dem das Programm die Datei ge-öffnet hat und nun speichern möchte, weil in der Angabe in Klammern Teile dieses Pfades ausgelassen sind. Auch bei vollständiger Angabe des Pfades dürfte den meisten Benutzern nicht klar sein, was sie daran wie überprüfen können.
- „Wählen Sie eine der Datei aus der Liste der Dateien und Ordner“ ist nicht nur falsches Deutsch, sondern auch gefährlich. Wenn man eine vorhandene Datei wählt, wird diese ja beim Speichern überschrieben. Abgesehen davon wird nicht erklärt, wie man eine solche Wahl vornehmen könnte.
- Die beiden Handlungsvorschläge sind also gleichermaßen unverständlich und unbrauchbar, besonders weil man die Meldung nur schließen kann. Man muss dann versuchen, aus der Erinnerung heraus einen Lösungsweg zu gehen. Darüber hinaus sind die Lösungsvorschläge mit einer Formulierung in falschem Deutsch eingeleitet: „Versuchen Sie die folgenden Optionen aus:“.
Weil die Meldung keine sinnvolle Handlungsmöglichkeit beinhaltet, ist sie auch nicht aufgabenangemessen.
Eine sinnvolle Fehlermeldung könnte etwa lauten:
Die Datei kann nicht an der Stelle gespeichert werden, von der Sie geöffnet wurde. Der Pfad
E:\EIGENE DATEIEN\FH-GE\LEHRE\MCI_WS99\KLAUSUR.DOC
existiert nicht. Vermutlich wurde ein Ordner in diesem Pfad umbenannt.
Speichern Sie Ihre Datei mit „Speichern unter…“.
OK
Zur Fehlervermeidung gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wird eine Umbenennung innerhalb des Pfades einer geöffneten Datei verboten, oder das Programm passt den Pfad automatisch anhand der Umbenennung an.
Windows 10, genauer Windows ab Windows 2000, verbietet Umbenennungen in einem Dateipfad, in dem eine Datei in Word geöffnet ist.
Diese Lösung schränkt die Steuerbarkeit unnötig ein. Wenn das System erkennen kann, dass eine Umbenennung in einen Pfad mit geöffneter Datei erfolgen soll, dann kann es auch diese Umbenennung akzeptieren und für das Speichern berücksichtigen.