Kapitel 10: Ein- und Ausgabe räumlicher Daten
Aufgabe 10.1: „Geister“ im Museum
Ein Museum möchte in seiner Ausstellung an passenden Stellen „Geister“ von historischen Persönlichkeiten aus ihrem Leben erzählen lassen. Diese „Geister“ sollen lebensgroß für Museumsbesucher sichtbar werden, wenn die Besucher einen bestimmten Bereich betreten. Dazu werden 3D-Videoaufnahmen von Schauspielern in der Rolle der historischen Personen erstellt.
- Welche Technik empfehlen Sie zur stereoskopischen Darstellung der Videos?
- Wie ermöglichen Sie es, dass die Darstellung erfolgt, wenn sich ein Besucher in einem bestimmten Bereich befindet?
Lösung
Die Technik zur stereoskopischen Darstellung muss möglichst kostengünstig sein. Sie soll von mehreren Besuchern gleichzeitig genutzt werden können. Die Benutzung muss einfach sein und darf keinen Lernaufwand erzeugen. Sie darf die Museumsbesucher nicht belasten und sollte die normale Betrachtung der Ausstellung nicht erschweren. Falls Ausrüstung an die Besucher übergeben werden muss, darf diese nicht teuer sein und möglichst keinen Personalaufwand bei der Ausgabe und der Rückgabe erfordern.
Nach diesen Überlegungen scheiden HMDs grundsätzlich aus. Autostereoskopische Displays in solcher Größe, dass sie eine ganze Person lebensgroß darstellen können, gibt es bisher nicht. Wenn es sie gäbe, würden sie auch aufgrund des Preises und der begrenzten Betrachtungsposition für nur eine Person nicht in Frage kommen. Somit verbleiben nur die Techniken mit Brillen. Dabei sollten die Brillen so wenig kosten, dass der gelegentliche Verlust einer Brille tragbar ist. Dann können die Brillen einfach von den Besuchern aus einem Behälter genommen werden und am Ausgang wieder in einen Behälter gelegt werden, ohne dass eine Kontrolle durch Personal erfolgen muss. Somit entfällt auch die Shutter-Brille, und es bleiben Farbanaglyphenbrillen und Polarisationsbrillen übrig.
Farbanaglyphen haben den Vorteil, dass für jeden „Geist“ nur ein normaler Videoprojektor benötigt wird. Nachteil ist aber, dass die Farbfilterbrille bei jeder stereoskopischen Darstellung auf- und dann wieder abgesetzt werden muss, weil die Betrachtung der realen Ausstellung durch die Farbfilterbrille unangenehm ist. Eine Polarisationsbrille kann dagegen während des gesamten Besuchs getragen werden, weil sie beim Betrachten der realen Umgebung lediglich etwas abdunkelt. Am besten geeignet für diese Anwendung ist also die Projektion polarisierter stereoskopischer Bilder. Betrachtet ein Besucher die Projektion ohne Brille, so erscheint sie zwar nicht räumlich, wirkt aber geisterhaft verschwommen.
Die Auslösung der Darstellungen dadurch, dass sich Besucher in einem bestimmten Bereich befinden, kann durch optische Erkennung erfolgen. Eine Kamera nimmt den Bereich auf, und das Programm wertet aus, ob das Bild des leeren Bereichs durch eine eintretende Person verändert wurde.